Tagebuch einer Kirgistanreise:

17.07.2011

Ankunft in Kirgistan 18.07. 3.00 Uhr in der Nacht. Unser kirgisischer Freund Talant mit Sohn Tilek hat uns vom Flughafen abgeholt. In Bishkek wurden wir noch mit einem Kaffe verwöhnt und begaben dann gleich ins Bett. Aufgestanden sind wir dann um 9.30 Uhr und um 10.15 haben wir gefrühstückt. Abti, Dozent an der Uni-Bishkek und unser Begleiter für die nächsten 14 Tage, war auch schon da.

çParkeingang Ala Archa

Gegen 11 Uhr dann der Aufbruch in Richtung Nationalpark Ala Archa er ist ca. 50 km entfernt. Dort machten wir eine kurze Wanderung ins Tal.

Abdi, Tilek und Norbert

Auf der Rückfahrt besuchten wir die Gedenkstätte Ata-Beijt (Grab des Vaters) für den Torekul Aitmatow der 1938 während der stalinistischen Säuberung erschossen und verscharrt wurde. Sein Sohn Tschingis Aitmatow, ein auch bei uns bekannter Schriftsteller wurde dort ebenfalls mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt.

Gedenkstätte Ata-Beijt

138 umgebrachte Kirgisen die auch während der stalinistischen „Säuberung“ umgebracht wurden fanden dort auch ihre letzte Ruhestätte. Etwa 30 Personen der letzten Revolution von 2010 wurden zusätzlich dort beerdigt. Abends sind wir etwa gegen 22 Uhr schlafen gegangen

19. Juli

Gegen 8 Uhr sind wir aufgestanden und haben noch Vorbereitungen für unsere Rundreise getroffen. Danach Aufbruch in Richtung Kochkor.

Straßenmarkt

Ein Picknick haben wir etwa auf halber Strecke abgehalten. Wegen starkem Wind und Regen fand dies im Bus statt. In Kochkor, das Wetter hatte sich aufgeklärt, besuchten wir eine Filzmanufaktur die ich schon auf meiner ersten Reise kennen lernen durfte.

Unterkunft Haus Mila

Unser Gästezimmer

Ein tolles Ambiente fanden wir in der Unterkunft Mila. Einen kurzen Rundgang durch den Ort unternahmen wir noch vor dem Abendessen. Unsere sehr netten Gastgeber überraschten uns noch mit einem schmackhaften usbekischen Reisgericht. Dazu gab es Nüsse, viel Obst und Marmelade. Etwa gegen 10 Uhr gingen wir zu Bett.

20. Juli

Morgens waren wir schon um 7.30 Uhr auf den Beinen und um 8.00 Uhr stand bereits das Frühstück auf den Tisch. Die Abfahrt etwa um 9 Uhr führte uns in Richtung Song-Kül. Fast auf der gesamten Strecke schien die Sonne.

Aussichtspunkt

Ein paar Stopps für Bilder und eine Rast (Picknick). machten wir noch einige Kilometer vor unserem Ziel. Am Song-Kül waren wir etwa gegen 18 Uhr eingetroffen. Bevor wir unsere Unterkunft bei der Familie Bayisch aufsuchten, betrachteten wir noch den Festplatz der Veranstaltung.

Festplatz am Song-Kül

Es waren schon einige Übungen für die Reiterspiele im Gange. Wir unternahmen einen kurzen Rundgang über den Platz auf dem schon sehr viele Besucher (Kirgisen) anwesend waren. Die Teilnehmer waren vorwiegend mit Fahrzeugen Deutscher Hersteller (Audi, Mercedes, BMW und VW) angereist.

Familie Bayisch

Tochter Bayisch mit Freundin

Die Familie Bayisch war noch nicht anwesend als wir bei ihren Jurten eintrafen, wahrscheinlich war sie noch auf dem Festplatz. Etwa um 19 Uhr wurde uns dann unsere Jurte zugewiesen und gegen 20 Uhr wurde zu Abend gegessen, es gab Fisch. Unsere Jurte war mit Feldbetten ausgestattet – bei meinen früheren Reisen schlief man noch auf dem Boden.

Staatspräsidentin Rosa Otunbajewa eröffnet das Reiterfest

Abends im Jurten-Dorf

Norbert war wegen einer Magenverstimmung in der Jurte geblieben wir anderen sind nach dem Abendessen zur Eröffnungsfeier gefahren. Die Feier wurde durch die Staatspräsidentin Rosa Otunbajewa eröffnet. Die anwesende Musikgruppe kannte ich schon von meiner erster Kirgistanreise, diese hatte uns damals bei Talant mit einem Musikabend verabschiedet.

Vorbereitung fürs Abendessen

Reichlich gedeckter Tisch

Wir machten noch einen kurzen Abstecher zur großen Jurtensiedlung, etwa 300 Jurten waren dort für die Feierlichkeiten aufgebaut. Es war sehr kalt geworden und so kehrten wir gegen 23 Uhr zu unserer Jurte zurück. Dort war schon der Ofen angehetzt und es war in der Jurte bullig warm.

21. Juli

Um 8 Uhr wecken und anschließendes Frühstück mit Spiegeleier, Brot und Tee. Gegen 9.30 Uhr dann der Aufbruch zum Fest.

Wir kamen zur 1. Veranstaltung (einem Pferderennen) gerade noch rechtzeitig an. Als Zweites führten dann sogenannte „Standman's“ gekonnte Reiterakrobatik durch Einzelreiter vor.

Der abschließend Mannschaftskampf Kok-Boru (grauer Wolf), auch unter Ulak Tartysh bekannt, ist die Hauptattraktion und darf auf keiner solchen Veranstaltung fehlen. Der Kampf wird mit einer frisch geschlachteten Ziege durchgeführt. Es war ein spannendes Spiel, bei ihm wurden den Reitern Kraft, Schnelligkeit und ausgezeichnete Pferdeführung abverlangt. Das Spiel soll auf eine Wolfsjagd zurückgehen. Zwei 10 Mann starke Mannschaften müssen den Tierkadaver in das einem Brunnen ähnelnde Tor des Gegners zu werfen. Hierdurch entwickelt sich ein höchst dynamischer und mitreißender Kampf bei hohem Tempo. Die Zuschauer verfolgten das Spiel lärmend und mit großer Leidenschaft.

Ein Video bei youtube vom Reiterfestival.

http://www.youtube.com/watch?v=ISdN-vo6dvM&feature=channel

Die Gewinnermannschaft erhielt ein BMW Fahrzeug als Preis. Für eine Mittagspause fuhren wir zu unserer Jurte zurück. Am Nachmittag wollten wir eigentlich noch weitere Spiele anschauen, aber alle Festlichkeiten waren schon zu Ende.

Wir Fuhren daher nochmals zum Jurtendorf und bekamen mehrere Einladungen besonders schöne Jurten zu besichtigen. Auch hier fand ein Wettbewerb statt. Die schönste und eindrucksvollste Jurte wurde prämiert. Der Preis für die schönste Jurte war ein gebrauchter VW Golf. Bei den Jurten der Familie Bayjsch trafen wir ein sympathisches englisches Ehepaar, sie war Lehrerin und seine Profession blieb uns unbekannt, beide hatten in Kasachstan gearbeitet. Auch gesellte sich noch ein deutsches Ehepaar aus Mannheim zu uns. Zum Abendessen gab es Fisch wie an unserem ersten Abend. Die Fische stammten aus dem Song-Kül See. Die kirgisische Begleiterin des deutschen Ehepaares spendierte zum Abendessen für alle Anwesenden eine Flasche Wodka. Es wurde wiederum recht kühl und wir verzogen uns gegen 22 Uhr in unsere Betten. Die Verwandtschaft der Familie Bayisch, die sich auch zahlreich zum Fest eingefunden hatte, feierten mit viel Wodka und Lautstärke fast die ganze Nacht.

22. Juli

Wir waren wieder gegen 8 Uhr aufgestanden und das Frühstück wurde wiederum gegen 9 Uhr serviert. Vor unserem Aufbruch in Richtung Dorf Kök-Jar zum Wintersitz der Familie Bayisch machten wir noch einige Aufnahmen von der gesamten Familie und druckten diese auch gleich wieder aus.

Die älteste Tochter nebst Freundin und der Bruder der Frau Bayisch. (Historiker) haben uns auf diese Fahrt begleitet. Die Fahrt durchs Gebirge (Tien Shan) war ein tolles Erlebnis, es ist eine traumhafte raue Landschaft. Von einigen Aussichtspunkten hatte man einen fantastischen Blick auf die abenteuerliche und kurvenreiche Abfahrt.

Im Tal machten wir noch einen Stopp bei einer Brücke, bei der sich häufig Verliebte treffen. Einige Jurten standen auf der anderen Seite des kleinen Baches, dort wurden wir spontan zum Brot probieren eingeladen. Auch wurde uns ein Getränk aus Rohkäse mit Wasser verdünnt und mit Salz versehen zum Kosten angeboten.

Gegen 13 Uhr trafen wir in Kök-Jar ein. Im Haus der Bayischs wurden Norbert und mir ein schönes Zimmer zugeteilt. Wir verzichteten auf das Mittagessen, stattdessen wurde uns etwas Brot und Tee zur Erfrischung offeriert. Mit Abti und Bruder von Nurgül Bayisch machte ich anschließend einen Rundgang durch den Ort Kök-Jar. Wir betraten ein Geschäft, Abti wollte dort einwenig einkaufen. Mir fiel sofort das vollgefüllte Regal mit Schnapsflaschen auf.

Auch eine Waage, wie ich sie noch aus den 50ziger Jahren bei uns kannte, stand in diesem Lädchen. Eine Besonderheit war die alte Rechenmaschine, ein Abakus mit auf Drähte gezogenen Kugeln, mit der noch heute die Beträge addiert werden konnten. Sie wird gelegentlich immer noch genutzt, besonders wenn der elektrische Handrechner mal ausfällt. Auch statteten wir der Grundschule einen Besuch ab, sie war zwar geschlossen, es wurden aber Renovierungsarbeiten vorgenommen. Ehemalige Schüler hatten Geld für ein neues Schulschild gestiftet. Norbert hatte auch einen Rundgang alleine durch das Dorf unternommen. Nach unserer Rückkehr saß die 80 jährige Mutter Nurgüls im Hof. Sie erlaubte uns Filmaufnahmen und Fotos von ihr zumachen. Ich druckte gleich 2 Fotos im Format 10 X 15 für sie aus. Zum Abendessen, Norbert und ich hatten dafür eine Flache Wodka beigesteuert, gab es Kartoffelsuppe mit reichlicher Fleischeinlage. Danach führte ich 2 Filme mit meinem kleinen Hand-Beamer vor, die ich vor 6 Jahren in Bishkek und am Song-Kül aufgenommen hatte. Frau Nurgül Bayich war auch noch für ein paar Stunden vom Song-Kül zu uns ins Tal gekommen.

Rundreise durch Kirgistan Fortsetzung